Hall of Fame of the Digital Age Nr. 69 - Edsger Dijkstra

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Aller Ehren wert

Sucht man mit einem Fahrzeugnavigationssystem eine energieeffiziente Strecke zwischen zwei Orten, über eine App eine schnellste Bahn- oder Flugverbindung oder auf Google Maps einen kürzesten Fuß- oder Fahrradweg, so wird die Berechnung mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Variante des von Edsger Wybe Dijkstra 1959 in einem dreiseitigen Artikel veröffentlichten Verfahrens erfolgen. Der Dijkstra-Algorithmus wird gleichfalls bei der Berechnung der Wege von Datenpaketen durch das Internet verwendet wie auch beim schnellen Vollzug von Framewechseln bei Computerspielen. Vermutlich ist er einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Algorithmen überhaupt.

Zur Person

Edsger Dijkstra, geboren 1930 in Rotterdam, ist Sohn eines Chemikers und einer Mathematikerin. Er interessierte sich zunächst für Rechtswissenschaften und träumte davon, die Niederlande bei den Vereinten Nationen zu vertreten. Doch dann studierte er – mit Unterbrechungen – von 1948 bis 1956 Mathematik und Theoretische Physik an der Universität Leiden. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mathematisch Centrum in Amsterdam und entwickelte dort die grundlegende Software für den Computer Electrologica X1, womit er 1959 an der Universität Amsterdam promovierte. Dijkstra wurde 1962 Mathematikprofessor an der Technischen Hochschule Eindhoven und wechselte 1984 an die Universität von Texas in Austin. Er starb 2002 an Krebs.

Dijkstra war unter anderem am Entwurf der Programmiersprache Algol 60 und des Multitasking-Betriebssystems THE beteiligt und führte den Begriff der strukturierten Programmierung in die Informatik ein. Er gilt als einer der einflussreichsten Informatiker der Gründergeneration und wurde mit einer Vielzahl von wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet, etwa dem Turing-Award.

Gut zu wissen

Dijkstra gilt als der erste holländische Programmierer. Er erkannte sehr früh in seiner Karriere, dass er nicht für Teamarbeit geeignet ist, und arbeitete meistens alleine. Er schrieb über 1300 Manuskripte, die er fotokopiert an Kollegen per Post verschickte, und nur selten veröffentlichte. Heute befinden sie sich in einem Online-Archiv.

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